Und bist Du nicht willig…”
Gewalt in Erziehung und Schule

Bis 1972 war in der BRD die körperliche Züchtigung Jugendlicher und Kinder in Schule und Gesellschaft straffrei.
Erst 1972 stellte das Bundesverfassungsgericht fest, dass die körperliche Züchtigung gegen Artikel 1 des Grundgesetzes verstößt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.”

Bis zu diesem Zeitpunkt wurden Schüler über Jahrhunderte der Erziehung in dunkle Räume eingeschlossen, mussten in Ecken stehen, auf Eselsbänken sitzen und bekamen Schläge. Die Prügelstrafe galt als gängiges Disziplinierungsmittel. Die Gewalt in der Schule ging früher meistens vom Lehrer aus. Die Schüler waren in der Regel die Opfer.

Die Ausstellung verfolgt in zahlreichen Bildern und Texten die Geschichte dieser Gewalt in der Geschichte der Schule.

In den sumerischen und ägyptischen Schreibschulen war Schlagen das am häufigsten gebrauchte Erziehungsmittel. Die Schüler wurden mit der Rute oder der Nilpferdpeitsche geschlagen.

Auch in der griechisch-römischen Antike war die körperliche Züchtigung der Kinder alltägliches Erziehungsmittel, sowohl in der Familie als auch in der Schule. Auf zahlreichen Vasenbildern wird z.B. die körperliche Züchtigung in griechischen Familien dargestellt. „Unter die Rute kommen” war gleichbedeutend mit „in die Schule gehen”.

Im Mittelalter steigerte sich die körperliche Züchtigung bis zur brutalsten Gewalt gegen Kinder.
Gewalttätig waren in dieser Zeit aber auch viele Schüler.
Die „fahrenden” Schüler galten als Landplage. In Halle z.B. musste ein Lehrer sie mit bewaffneten Stadtknechten aus der Stadt vertreiben lassen.

Auf den mittelalterlichen Holzschnitten werden Lehrer stets mit der Rute dargestellt Wer nicht lernte oder nicht folgsam war, wurde mit dem Esel bestraft: Reiten auf dem Esel, Tragen der Eselsmütze, Umhängen eines Eselbildes. In abgemilderter Form gab es die Eselsbank bis in die Neuzeit.

Der Stock und die Rute wurden von der Antike bis in die Neuzeit verwendet. Die Ausstellung beschreibt und zeigt die gängigsten Züchtigungsinstrumente, die gegen Kinder eingesetzt wurden.

Nachdem schon in den neuzeitlichen Jesuitenschulen humanere Erziehungsmethoden Einzug hielten, versuchten die Vertreter der Aufklärung die Prügelstrafe aus den neuen Volksschulen ganz zu verdrängen. Die ersten Versuche einer Eindämmung der gewaltsamen Züchtigung wurden jedoch im Schulalltag meist unterlaufen In späteren Schulordnun­gen des 19. und 20. Jahrhunderts wurde das Recht der Lehrer, die Schüler körperlich zu züchtigen, dann immer weiter erschwert.

Auch nach dem vollständigen Verbot köperlicher Züchtigung ist die Schule kein Ort der Gewaltfreiheit geworden. Die Gewalt in der heutigen Schule geht auch von Schülern aus und richtet sich gegen Sachen, Mitschüler und Lehrer. Die Formen der Gewalt sind nicht nur spektakulär, sondern spielen sich oft auch sehr subtil ab, z.B. das Mobbing.

Die Ursachen der Gewalt sind vielfältig und liegen zum größten Teil außerhalb der Schule. Die Schule kann nicht friedvoller sein als die Gesellschaft, deren Spiegelbild sie ist.

Die Sonderausstellung ist eine Leihgabe des Schulmuseums Nürnberg und wird durch Exponate, Texte und Veranstaltungen ergänzt.

Freitag, 19. November 2004, 19 Uhr
Perspektiven einer zeitgemäßen Erziehung / Referent: Prof. Peter Paulig

Freitag, 21. Januar 2005, 19 Uhr
„Und bist Du nicht willig …” – Schulstrafen in der Literatur
Lesung: Wolfgang Krebs, Schauspieler

Museumskalender

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